Samstag, 14. Dezember 2019 12:01

Zitat des Tages...

„Zeit haben heißt: den Tod nicht fürchten“ (Japanisches Sprichwort)

 

Ältestenrat

 

Der Rat der russlanddeutschen Ältesten (Ältestenrat) INTEGRATIO-Wiedergeburt ist im November 2009 als konsultatives Vertretungsgremiums der Russlanddeutschen ins Leben gerufen worden, welches satzungsgemäß einen kompetenten Bestandteil der Vereinigung von Vertriebenen, Spät- bzw. Aussiedlern und Auslandsdeutschen ‘Ausbildungs- und Forschungszentrum ETHNOS e.V.ʼ (§ 2.2) darstellt. Das Bestehen des Ältestenrates ist durch das Protokoll des Bundesintegrationsrates (Berlin) vom 07.04.2010 anerkannt worden.

 

Die Gründungsmitglieder des Ältestenrates sind:

 

- Karl Betz (Königswinter/NRW), Günther Hummel (Bad Krozinger/ BW), Nikolaus Rode (Kaarst/NRW) – Künstler

- Eduard Deibert (Iserlohn/NRW) – Künstler und Menschenrechtler

- Dr. Viktor Frasch (Gelsenkirchen/NRW), Dr. (Inst. f. Orient.) Walther Friesen (Dortmund/NRW), Viktor Horn (Goslar/NS), Dipl.-Ing. Alexander Kreik (Berlin) – Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

 

Im Laufe der Zeit sind zum Ältestenrat weitere Personen erkoren worden: Friedrich Eckhardt (Bohmte/NS) – Filmemacher, Robert Denhof (Berlin) – Komponist, Helmut Frelke (Berlin) – Künstler, Dr. Viktor Graf (Berlin) und Dr. Viktor Kießling (Bochum/ NRW) – Wissenschaftler.

 

Die Koordination der Aktivitäten des Ältestenrates obliegt den Herren Dr. (Inst. f. Orient.) Walther Friesen (Dortmund/NRW) und Dipl.-Ing. Alexander Kreik (Berlin).

 

In Einklang mit seinem Namen ‘Integratioʼ, was lateinisch so viel wie ‘Erneuerung, Wiederherstellung, Wiedergeburtʼ bedeutet, hat sich der Ältestenrat die Mobilisierung und Erneuerung des kreativen Potentials zur sozialen und politischen Rehabilitation der Russlanddeutschen, die jahrzehntelang der Staatsunterdrückungspolitik ausgesetzt gewesen sind, zum Ziel gesetzt.

 

Vorhaben des Ältestenrates:

 

- Aufbewahrung und Weitergabe des russlanddeutschen Kultur- bzw. Gedankengutes an Nachwuchsgenerationen durch unmittelbare und nachhaltige Kontakte zur Jugendorganisation der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland;

 

- Unterstützung der russlanddeutschen Schriftsteller, Künstler und Komponisten; so ist 2014 in Zusammenarbeit mit dem Verein Lyra e. V., Berlin eine Ausstellung des Künstlers Helmut Frelcke zum Thema ‘Auszug‘ – über die dramatischen Schicksalsperipetien der Russlanddeutschen veranstaltet worden;

 

- 2010 initiierte der Ältestenrat die Schaffung einer Hymne der Russlanddeutschen; zurzeit liegen drei Varianten vor: die von Anatoli Wedel, von Robert Denhof und von Konstantin Ehrlich;

 

- Gleichstellung vor Gesetzen bzw. Gleichbehandlung vor Gerichten – dem Grund-gesetz und der Menschenrechtskonvention entsprechend – sowie Nichtzulassung der Diskriminierung in allen Lebensbereichen (Rechtschutz im Alter);

 

- Abschaffung des widerrechtlichen, menschenverachtenden bzw. -unwürdigen „Russlanddeutschen Rentengesetzes“;

 

- Organisation einer Tournee des russischen Theaters aus der sibirischen Stadt Tara mit dem Theaterstück ‘Vaters Fußtapfen‘ nach der Novelle von Hugo Wormsbecher ‘Unser Hof‘ über das Schicksal der minderjährigen russlanddeutschen Vertriebenen;

 

- Bewerkstelligung einer mobilen Fotoausstellung von Friedrich Eckhardt zur Geschichte der Wolgadeutschen «Немецкое Поволжье. Неоконченная фотолетопись»;

 

- Inszenierung des biografischen Romans von Ursula Dorn ‘Ich war ein Wolfskind aus Königsbergʻ über Schicksale von minderjährigen deutschen Kriegsflüchtlingen;

 

- Herausgabe der mehrbändigen Enzyklopädie „Deutsche Autoren Russlands“ von Edmund Mater;

 

- Aufbau des Online Knigge des interkulturellen Verhaltens in Form von praxis-orientierten Gleichnissen; in ihren Verbannungsorten lebten die Russlanddeutschen unter den Völkern verschiedener Nationalitäten, öfters muslimischen Glaubens.

 

Episoden der russlanddeutschen Geschichte

 

Auszüge aus dem Beitrag von Dr. Walther Friesen ‘Die Deutschen – ein Stammvolk Osteuropas‘ (ISBN 978-3-00-051613-9):

„In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schien es für viele ehemalige ostbaltische Mitglieder und Untertanen des Deutschen Ordens nur zwei Möglichkeiten zu geben: entweder sich irgendwie der drastisch geänderten geistlichen Umgebung anzupassen oder auszuwandern. Das Damoklesschwert der katholischen Rache blieb über den Köpfen der Lutheraner unter der polnischen Hoheit hängen, die lutherischen Kirchenrituale durften in den schwedischen bzw. dänischen Besatzungszonen Livlands nur in den nationalen Sprachen der Besatzungsmächte ausgeübt werden. ... Der lutherische Glaube war im Zarentum Rus geduldet und in vielen Aspekten konnten die Protestanten und die christlichen Andersgläubigen, wie z. B. die Anhänger der Lehre von Andreas Osiander oder Antitrinitarier, sich wesentlich ungehinderter in Ost- als in Westeuropa oder im Ostbaltikum fühlen. Der Militärdienst im Zarentum bot ihnen auch eine lukrative Perspektive. Den Offizieren und einfachen Verhauliniekriegern wurde guter Sold vom Zarenschatz entrichtet. Für zuverlässige Dienste wurden ihnen Bodenanteile mit Leibeigenen in der fruchtbaren Schwarzerde-Zone Osteuropas zugeteilt, die von dem Osmanischen Reiche erobert worden war. Eine Gruppe von Deutschen aus Livland ließ sich in der Moskauer Vorstadt an den Ufern der Jausa, dem linken Nebenfluss der Moskwa, nieder. 1560 wurde dort die Lutherische Gemeinde gegründet, der der Sohn des friesischen Theologen Brictius thon Norde (* um 1490; † 1557) vorstand. 1601 wurde auf Anordnung des Zaren Boris Fjodorowitsch Godunow (* 1552; † 1605) die lutherische Steinkirche in Moskau gebaut.“ „Am 10. September 1721, unterzeichnete der russische Diplomat Johann Friedrich Ostermann im Namen des Zaren Peter I. den Frieden von Nystad, der den 20-jährigen Nordischen Krieg (1700–1721) beendete, und Livland, vertreten durch die Livländische Ritterschaft des Deutschen Ordens, vereinigte sich mit dem Zarentum Rus. Das war die Gründungsstunde des neuen Staatwesens Eurasiens – des Imperiums der Rossen. 1721 waren mehr als 100.000 Deutsche Livlands zu Imperiumsuntertanen geworden.“

 

Auszüge aus dem Beitrag von Dipl.-Hist. Alex Dreger ‘Die Auswanderung der Deutschen nach Russland im Spiegel der deutschsprachigen Presse im Jahre 1763 ‘ (ISBN 978-3-00-051613-9):

„Deutsch etablierte sich damals in Russland als die Sprache der Wissenschaft. Nicht zuletzt war diese Tatsache dem Umstand zu verdanken, dass die im Jahre 1724 gegründete russische Akademie der Wissenschaften und Kunst sehr stark durch Wissenschaftler deutscher Abstammung geprägt wurde. Erster Präsident der Akademie wurde der in Moskau geborene Leibarzt Peters des Großen L. L. Blumentrost. ... Die erste akademische Zeitung erschien im Jahre 1727. Weil sie sowohl auf russische als auch auf internationale Leserkreise ausgerichtet war und dabei auch die allgemeinen Nachrichten beinhalten sollte, rückten die Herausgeber vom üblichen Latein ab. Somit wurde Deutsch als Sprache der amtlichen Zeitung des Russischen Reiches auserwählt.“

„Noch als Großfürstin pflegte Katharina II. das Image der klugen und gebildeten Frau. Aber mit der Thronbesteigung nahm Katharinas Selbstdarstellung ganz andere Maßstäbe an. Sie wollte sich als eifrigste Anhängerin der aufgeklärten Monarchie präsentieren, was ihr mit der Unterstützung der französischen Enzyklopädisten für die erste Zeit auch recht gut gelang ... So entstand das Bild einer tatkräftigen Herrscherin, die sich nahezu pausenlos um das Wohl ihrer Untertanen kümmerte. Tatsächlich waren einige Projekte von vornherein reine Augenwischerei. Viele andere Vorhaben erwiesen sich als Flop, weil die hochgesteckten Ziele realitätsfern waren. Ein solches Unternehmen war ohne Zweifel die berühmte Einladung der Ausländer nach Russland. Die Notwendigkeit dieses Schrittes für das damals wie heute flächenmäßig größte Land der Welt liegt auf der Hand. Für den Moskauer Staat war es übrigens kein Novum, sondern eine lange Tradition, die den unaufhaltsamen Aufstieg eines der vielen unbedeutenden Fürstentümer der nordöstlichen Rus ermöglicht hatte. Der entsprechende Ukas der Imperatorin ist bemerkenswert, vor allem im Zusammenhang mit dem weitverbreiteten Mythos, wonach die Geschichte der Deutschen in Russland erst ab diesem Zeitpunkt anfing. Betrachtet man die Tatsache, dass einige deutsche Adelsgeschlechter wie das Geschlecht derer von Mengden im Jahre 1762 auf eine jahrhundertelange Familiengeschichte im Dienst der russischen Monarchen zurückblicken konnten, braucht man diese These nicht weiter ernsthaft zu besprechen.“

 

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