Montag, 14. Oktober 2019 15:17

Zitat des Tages...

„Zeit haben heißt: den Tod nicht fürchten“ (Japanisches Sprichwort)

Die rettende Kraft der Kunst.

 

Günther Hummel kommt 1927 im deutschen Helenendorf, in einer Lehrerfamilie zur Welt. Seine Vorfahren – schwäbische Weingärtner aus dem dem Raum Reutlingen – wanderten 1817 in den Kaukasus aus. Die Hummels führen ein gastfreundliches Haus in Helenendorf. Der Junge wächst in einer kreativen Atmosphäre auf – offen für Musik, Malerei und Poesie. Die Mutter Else ist eine begnadete Sängerin. Vater Wilhelm nimmt den Sohn Günther zu Konzerten und Ausstellungen mit. Der Onkel Jakob Hummel, ein Archäologe, zeigt ihm dir Grabungen in Gjandscha und begeistert ihn für die Kunst des Altertums. Mit sechs Jahren besucht Günther nicht nur eine allgemeinbildende, sondern auch eine Musikschule und etwas später eine Kunstschule.

Die scheinbar wolkenlose Kindheit endet abrupt 1938. Der Vater wird verhaftet und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Erst und den 60er Jahren erfährt die Familie, dass er wegen „Spionage“ noch im selben von einer Troika verurteilt und erschossen wurde. In Hummels Verwandtschaft wurden in dieser zeit weiter neun Personen verhaftet, erschossen oder verurteilt.

Dem talentierten Jungen gelingt es dennoch 1939 ein Studium an der Fachschule für Kunst in Baku aufzunehmen. Allerdings nicht für lange. Der 1941 begonnene deutsch-sowjetische Krieg ist ein weiterer dramatischer Einschnitt im Leben der Familie Hummel. Als Deutsche werden sie in das Gebiet Akmolinsk, Kasachstan, zwangsausgesiedelt.

1942 wird Günther 15 und ist damit alt genug für das Zwangsarbeitslager. Die Sklavenarbeit in den Kohlengruben von Karaganda 1942 – 1944 ist für den Heranwachsenden die schlimmste zeit seines Lebens: Schufte bis zum Umfallen, beinahe den Hungertod gestorben, die Angst, in diesen unmenschlichen Verhältnissen zu Grunde zu gehen.

Doch die leidenschaftliche Liebe zur Kunst gibt ihm auch hier die rettende Kraft- Hinter Stacheldraht, nach zwölf Stunden Knochenarbeit unter Tage als Holzschlepper zeichnet er seine Kumpels in der Not, modelliert Figuren aus Lehm. Bis die Lagerleitung eines Tages auf das junge Talent aufmerksam wird. Danach wird er zuerst als Maler im Lagerklub eingesetzt, später leitet der musikbegabte Hummel ein Laienorchester. Auch als Musiker ist er so gut, dass er in den 1950-n z in einem Sinfonieorchester in der Gruppe der ersten Geiger spielt. Das Orchester unter der Leitung der renommierten Komponisten und Dirigenten Warlamow besteht aus Musikern, die aus dem Lager 'Karlag' entlassen worden waren, und einigen Russlanddeutschen.

Hummels vielseitige Begabungen schlagen sich ebenso verschiedenseitig in seiner Kunst nieder. Bereits in der Sowjetunion entwickelt er sich zu einem Bildhauer und Maler von hohem Bekanntheitsgrad. Zwischen 1947 und 1991 waren seine Werke i über 100 Ausstellungen in Karaganda, Alma-Ata, Moskau Baku, Prag und Worpswede zu sehen.

Auch in Deutschland, wo er seit 1991 in Bad Krozingen beheimatet ist, hat er Spuren hinterlassen. Hier sind Skulpturen und Plastiken entstanden, die das Erscheinungsbild der Kurstadt mitprägen. Hummels Arbeiten befinden sich in verschiedenen deutschen Ausstellungen und Kirchen. Seine Kunst ist von der realistischen Kunstauffassung beeinflusst, geht aber in Thema und Ausdruck eigene Wege...

 

Auszug aus dem Beitrag von Nina Paulsen. Volk auf dem Weg Nr.5/2007

 

Ausstellung auf  der Digitalen Wanderausstellung Damals-im-Osten hier klicken

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