Mittwoch, 20. November 2019 17:45

Zitat des Tages...

„Zeit haben heißt: den Tod nicht fürchten“ (Japanisches Sprichwort)

 

 

Deibert wurde am 01. Juni 1942 in Schatzen bei Odessa geboren. Nicht einmal zwei Jahre alt, musste er als Kleinkind die Flucht nach Deutschland und später die Deportation in die russische Teilrepublik Komi im äußersten Zipfel Nordost-Europas durchstehen. Im Jahre 1958 zog die Familie nach Karaganda, Kasachstan.

Hier ließ sich Eduard zum Tischler und Schreiner ausbilden und übte diese Berufe von Juli1958 bis Juni1964 aus; er brachte sich selbst das Instandsetzen von Fernsehgeräten bei. Eduard war gut in Physik und arbeitete von Juni 1964 bis Februar 1966 in einer Radio- und Fernsehwerkstatt.

1963 bewarb er sich in Alma-Ata an einer Fliegerschule für die Ausbildung zum Techniker im Bereich der Flugzeugwartung. Zur Prüfung wurde er nicht zugelassen - der Aufenthalt in Deutschland in den Jahren 1944 bis 1945 und die darauffolgende Verbannungszeit in der Sondersiedlung 1945 bis 1956 wurden ihm zum Verhängnis. Für den 21- Jährigen brach eine Welt zusammen. Aus Erzählungen seiner Eltern wusste Eduard schon über die Diskriminierung der deutschen Minderheit im „Arbeiter- und Bauern-Staat“, auch in seinem Alltagsleben konnte er nicht selten die Herabwürdigung der Deutschen beobachten. Diesmal aber erlitt er in besonders hohem Maß den Schmerz der Erniedrigung. Eduard war damals passiver Beitragszahler des Jugendverbandes Komsomol, der Nachwuchsorganisation der sowjetischen Kommunistischen Partei. Aus diesem Vorfall zog er die Konsequenzen - seinen Komsomol-Ausweis ließ er in Rauch und Flammen aufgehen…

Nach seiner Arbeit bei der Radio- und Fernsehwerkstatt fand Eduard eine Beschäftigung als Techniker (1966-1969), bei der staatlichen Wetterstation der Stadt Karaganda. 1970 wurde er zum Ingenieur (1970 – 1971 befördert.

Nebenher studierte er von 1969 bis 1972 an der Polytechnischen Hochschule Karaganda, Fach Bergbauautomatik fern.

Anfang der siebziger Jahre breitete sich unter den Auswanderungswilligen das Gerücht aus, dass für eine abgeschlossene Hochschulausbildung bei einer Ausreise hohe Entschädigungsgebühren zu entrichten seien - dieses Gerücht kann ich ausdrücklich bestätigen (Anmerkung des Verfassers). Um seinen Traum nicht zu gefährden, brach er folgerichtig sein Fernstudium ab.

Am 04. September 1970 heiratete Eduard die 21- jährige Lilia Volz. Das Glück war ihm diesmal gewogen: Nur mit einer Deutschen wollte er den Ehebund schließen, nur eine anständige Frau konnte er lieben. 1971 gebar Lilia ihm eine Tochter, die den Namen Inge erhielt.

Von Juli 1971 bis zu seiner Verhaftung am 26. November 1974 arbeitete Eduard als Automatisierungs-ingenieur für Instandhaltung und Inbetriebnahme von Getreidesilos.

Nach seiner Haftentlassung im November 1976 belegten die Sowjets den Regimekritiker de facto mit Berufsverbot. Bis zu seiner Ausreise nach Deutschland am 10. Januar 1978 musste sich Eduard als Tischler und Stuckateur durchschlagen.

In den Jahren 1978-1980 machte er eine Ausbildung zum Informationselektroniker in Essen und wurde am 05. Januar 1981 bei der Siemens AG in Witten eingestellt. Im April 2001 ging Eduard in den Vorruhestand.

Auch in Deutschland setzt sich Eduard für seine Volksgruppe ein. Seit 1978 ist er Mitglied der Landmannschaft der Deutschen aus Russland, in mehreren Vereinigungen arbeitet er aktiv mit. Eduard Deibert und seine Frau Lilia wohnen heute in Bochum.

Franz Deibert

 

Bilder von Eduard Deibert: http://www.damals-im-osten.de/index.php/eduard-deibert/g-ed-gallery

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